Grundlegendes

Es ist früh, ein stiller Raum. Das Frühstück steht duftend auf dem Tisch und genügend Schlaf wurde nachgeholt. Am Vortag kehrten 29 Teilnehmer eines einwöchigen Grundlagenseminars der Konrad- Adenauer- Stiftung im Kloster heim.

Grundlegendes zu lernen ist ein verpflichtendes Privileg für jeden Stipendiaten der Begabtenförderung, dennoch, und eigentlich vor allem, sind auch die zahlreichen Pausen und freien Abende geprägt von Diskussionen um große Themen mit ehemals Fremden. Gleichgesinnte zu finden war selten leichter, die Situation überwältigt, Gänsehaut und neue Freundschaften bilden sich.

Bis zuletzt spaltet sich die Gemeinschaft in keine Kleingruppen. Ein vielfältiger Mikrokosmos des geteilten Idealismus entsteht, getrennt vom Rest der Welt durch antike Klostermauern und doch in der Mitte der Gesellschaft. Man diskutiert mit Norddeutschen über den Nah- Ost- Konflikt, mit Mönchen über die Rolle von Homosexualität in einer modernen Kirche. Geschichte und Digitalisierung. Man spricht über Aktien, Amazon und Apple mit Theologen oder vor dem, natürlich viel zu spätem, Schlafengehen über Tagespolitik. Man lernt neue Städte und alte Bauwerke kennen. Man philosophiert mit Menschen, die allesamt gierig sind auf neue Perspektiven. 

Das Lernen ist grenzenlos, was will ich sein?

 

Als die rollstuhlgebundene Mutter freundlich dazu auffordert, den vollen Müllbeutel zu wechseln, fragt man sich laut, was hier in der Heimat wohl so in der Zwischenzeit geschehen ist. 

Bei der Antwort „Nichts, es war ja nur eine Woche“ wird mir einiges klar.

 

Es ist Montag.


Autor: Lorenz Endreß, Stipendiat der Studienförderung