Meine Masterarbeit an der Harvard Business School

Unsere Konstipendiatin Felicitas berichtet von ihrer Zeit in Boston

 

Vom Frühjahr bis Herbst 2017 hat es mich für meine Master-Thesis nach Boston, bzw. Cambridge in Massachusetts verschlagen. Dort hatte ich das Privileg mit einer Professorin von der Harvard Business School und zwei Professoren der Harvard Medical School zusammenzuarbeiten. Für mein Studium der Politik-und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz konnte ich meine Master Thesis zum Thema Preisregulierung von deutschen Arzneimitteln also in den USA schreiben. Ich bin sehr froh, dass ich mich damals in Eigeninitiative um diese Möglichkeit bemüht habe, da ich es nicht nur genossen habe an internationaler Forschung mitzuwirken, sondern auch die dynamische Umgebung und spannende Leute in Cambridge kennenzulernen. Falls es hier jemanden gibt, der sich überlegt seine Master Thesis ebenfalls im Ausland zu schreiben, möchte ich im Folgenden gerne die Fragen beantworten, die mir bereits von anderen Stipendiaten oder Interessierten gestellt wurden – und die ich gerne auch vor diesem Vorhaben beantwortet gehabt hätte.

 

Wie hast Du den Kontakt mit der Harvard University hergestellt?

Die Professorin hatte vor ca. 3 Jahren in einem außeruniversitären Projekt einen Onlinevortrag gehalten. Ich war nur eine der Teilnehmer in der „Crowd“. Ich fand Sie damals total sympathisch und hab Sie auf LinkedIn geadded. Wir hatten in der Zwischenzeit keinen Kontakt. Mit relativ wenig Hoffnung habe ich sie trotzdem etwa 9 Monate vor Abreise angeschrieben, ob Sie Interesse hätte meine MA Thesis zu einem bestimmten Themenvorschlag zu betreuen. Meine Universität in Konstanz hatte leider keine direkten Verbindungen mit der Harvard University. So war ein direktes Austauschprogramm leider nicht möglich.

 

Welche Unterlagen bzw. Nachweise hast Du an die Harvard University geschickt?

Als ich damals die Professorin anschrieb, habe ich neben dem Forschungsvorschlag meinen CV, Praktikumszeugnisse und alle bisherigen Transcript of Records gesendet. Ich habe pro Forma auch noch ein Motivationsschreiben angehängt. Soweit ich das aus heutiger Perspektive nachvollziehen kann, wurden diese Daten überprüft und ich musste später noch nachweisen, dass ich zu den besten Studenten in meinem Fach gehöre.

 

Wie lief die Zeit vor Deiner Abreise nach Boston ab?

Mit der ersten Email an die Professorin war es natürlich nicht getan: Es folgten mindestens 4 Skype Gespräche und mehrere Emails, in denen wir uns über die Details der Thesis austauschten. Wir haben uns außerdem einmal in Berlin für einen Kaffee getroffen, als sie beruflich in Deutschland unterwegs war. So konnten wir die Ideen also auch persönlich durchsprechen. Sie empfahl mir außerdem mich mit einigen anderen Institutionen in Verbindung zu setzen und so hatte ich schon vor der eigentlichen Bearbeitungszeit der MA Thesis ein gutes Netzwerk für die Datenakquise aufgebaut. An dieser Stelle bin ich ganz klar in Vorleistung gegangen, weil zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, ob man mir ein Visum ausstellen wird. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich diesen Aufwand betrieben habe und stets schnell auf Ihre Emails reagiert habe: Mit längeren Reaktionszyklen hätte ich womöglich in Deutschland bleiben müssen. An der Harvard Business School ist der Taktschlag insgesamt schneller als im deutschen System.

 

Wie ausführlich war der Forschungsvorschlag, den Du ihr gesendet hast?

Ich habe ihr lediglich eine erste Rohfassung eines Forschungsdesigns zugesendet, was ca. einem vierseitigen Dokument entsprach. Inhaltlich habe ich mich an Ihren bisherigen Publikationen orientiert. Lustigerweise hat sie mich dann in unserem Skype Gespräch gefragt, ob ich auch daran Interesse hätte an einem anderen Thema zu arbeiten und so haben wir letztlich meinen ersten Vorschlag verworfen.  

 

Wieso hast Du Deine MA Thesis überhaupt im Ausland geschrieben?

Für mich war das die letzte Möglichkeit vor dem Berufseinstieg nochmal für ein paar Monate im Ausland zu leben. Außerdem kannte ich die USA bisher nur als Urlaubsland und war schon länger darauf neugierig die Arbeitskultur und insbesondere die Universitätslandschaft mit den Ivy Leagues besser kennenzulernen. 

 

Wie lief dabei die Anerkennung an Deiner Universität für Deinen deutschen Master-Abschluss ab?

Das war zum Glück relativ unproblematisch. Glücklicherweise sieht unsere Prüfungsordnung vor, dass nur der Erstbetreuer der MA Thesis an der Universität Konstanz angesiedelt sein muss. Der Zweitbetreuer darf von einer externen Institution sein. Letztlich musste ich beim Prüfungsausschuss einen Antrag auf Anerkennung der externen Zweitbetreuung stellen, der relativ zügig genehmigt wurde. Mein Erstbetreuer, ein Professor an der Universität Konstanz, kannte mich noch von der Betreuung meiner BA Thesis und hat sich bereit erklärt die offizielle Rolle als Erstbetreuer zu übernehmen, obwohl das Thema nicht in seinem Gebiet lag.

 

Wie hast Du das mit dem Visum geregelt?

Ich bin über ein J1 Visum eingereist. Dafür musste ich von der Harvard University ein Einladungsschreiben erhalten. Hier hat sich meine Professorin für mich eingesetzt und alles in die richtigen Wege geleitet. Die Gebühren für das Visum musste ich selbst tragen (max. 500EUR mit Verwaltungsgebühren mit allem Drum und Dran).

 

Wie viel hat der Spaß gekostet?

Lebenshaltungskosten sind recht teuer in Boston und in Cambridge. Ich habe anfangs bei Freunden im Keller übernachtet bis ich ein WG Zimmer für 1500$/Monat gefunden habe. Mit viel Glück kann man auch etwas Preiswerteres ab 700$ finden, doch diese Deals sind leider oft an „yearly leases“ gebunden und kamen für mich deshalb leider nicht in Frage. Ist man bereit auch etwas weiter außerhalb zu wohnen, werden die Preise auch günstiger. Essen ist relativ günstig (z.B. eine viel zu große Portion Cheeseburger mit Pommes im Restaurant für 10$), doch insbesondere alkoholische Getränke sind recht teuer (z.B. Gin Tonic in einer nicht wirklich schicken Bar für 10$). Wenn man früh genug nach Zügen sucht, kann man für 50$ nach NYC fahren. Ansonsten sind die Busverbindungen von „Megabus“ sehr preiswert (teilweise nur 5$ one-way).

Ich musste keine Studiengebühren bezahlen. Das scheint jedoch nicht unbedingt die Regel zu sein: So habe ich z.B. auch ein paar Austauschstudenten von St. Gallen kennengelernt, die mehrere 1000USD für ein paar Kurse bezahlen mussten. (Es lohnt sich hier also nachzuhaken…)

 

Wie hast Du Dich finanziert?

Meine Finanzierung stammte aus drei Quellen: 

1. Ersparnisse von Praktika in der Unternehmensberatung. 

2. Taschengeld von meinen Eltern für meine „Reiseführertätigkeit“ bei Ihrem Besuch. 

3. Ein 10h/Woche-Job als Research Assistant an der Harvard Business School. 

Im Nachhinein würde ich aber allen empfehlen etwas früher zu planen und sich beim DAAD für ein Stipendium zu bewerben.

 

Wie war das Leben dort vor Ort?

Hier will ich unterscheiden zwischen meiner Forschungsarbeit und dem Privatleben:

Für meine Thesis wurde mir ein Arbeitsplatz der HBS zugewiesen. Das war natürlich spitze, weil ich so im „Großraumbüro“ ein paar Kollegen kennenlernen konnte. Das war natürlich sehr bereichernd. Außerdem nahm ich regelmäßig an den Gruppen-Treffen der Forschungsgruppe meiner Professorin teil und habe mindestens einmal im Monat Rücksprache mit den Professoren an der Harvard Medical School gehalten. Ich habe gelernt in Stata zu programmieren und die Infrastruktur und Unterstützung der Harvard University zu nutzen. Ich habe einige Kurse als Gasthörerin besucht und den amerikanischen Unterrichtsstil – den HBS Case Method approach – kennen und schätzen gelernt.

Im Privaten habe ich viele internationale Leute kennengelernt und die Gegend erkundet. Da Neuengland tatsächlich relativ klein ist, ist Boston ein guter Hub um für ein paar Tage Cape Cod, Maine etc. zu besichtigen. Meine engsten Freunde vor Ort kamen aus Marokko, Indien, Japan und den USA. 

 

Natürlich lernt man auch viele Deutsche kennen. Zusammenfassend sollte ich sicher nicht das Fazit einer hier anonymen Person festhalten: „Cambridge in Massachusetts ist für die deutschen Intellektuellen das, was Mallorca für den Durchschnittsdeutschen ist.“

 

Bei Fragen könnt ihr mich gerne kontaktieren!

 


Die Autorin:

Felicitas Pietrulla ist Konstipendiatin in der Studienförderung und hat ihren Master an der Universität Konstanz absolviert. In ihrem Studium hat sie verschiedene Auslandsaufenthalte absolviert, die sie unter anderem nach Mexiko, China, Amerika und Frankreich führten. Ihre Mailadresse kann unter: redaktion@kas-boccia.de angefragt werden.