Seminarzeit: Kommunikation zwischen Filterblase und Informiertheit - Wie verändert die digitale Kommunikation unsere Gesellschaft?

Wenn ihr morgens aufwacht, wem gilt da die erste Aufmerksamkeit des Tages? – Ja, oftmals gilt sie dem Handy, das einen gerade aus dem Schlaf gerissen hat. Und wo man das Smartphone sowieso schon man in der Hand hat, warum sollte man nicht schnell auf Twitter, Facebook oder Instagram checken, was die letzten 8 Stunden passiert ist? Am Frühstückstisch, im Bus auf dem Weg zur Uni oder während des Seminars: allzu oft greift man einfach zum Smartphone, weil man gelangweilt ist oder vielleicht auch einfach die Angst hat etwas zu verpassen.

 

Doch während unsere Großeltern in unserem Alter dann einfach die Zeitung aufgeschlagen haben, versinken wir nicht selten in den Tiefen des World Wide Web. Ob das positiv ist oder nicht, ist eine Frage die nicht einfach zu beantworten ist. Fest steht aber, dass Smartphones die Kommunikation verändert hat. Aber wie genau? Dieser Frage sind im März einige Stipendiatinnen und Stipendiaten in der Bundeshauptstadt auf den Grund gegangen. Auf Initiative von einer Stipendiatengruppe aus Freiburg standen dabei Besuche bei Politik, Think Tanks und Medien auf dem Programmplan. Unter dem Seminartitel „WhatsApp, Twitter, Snapchat und Co. – Wie verändert digitale Kommunikation unsere Gesellschaft?“ haben sich 24 Stipendiaten mit der digitalen Kommunikation und ihren Herausforderungen beschäftigt.

 

Filterblase und Echokammer

 

Den Anfang der Suche nach der Beantwortung der Seminarfrage machten wir in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mit Tobias Wangermann, Leiter Team Digitalisierung, blickten wir dabei auf die politische Kommunikation im digitalen Raum. Dabei stellte er uns die Vor- und Nachteile der sozialen Medien im Bereich Politik und Beratung dar, die auch zu einer neuen Teilöffentlichkeit geworden sind. Auch wenn für uns das Smartphone schon zum täglichen Begleiter geworden ist, ist es für viele Teile der Gesellschaft noch etwas Fremdes. Wir befinden uns deshalb auch noch in einem Gewöhnungsprozess. Was früher der Stammtisch war, ist heute die Kommentarleiste von Facebook. Und so seien auch die klassischen Medien von dem getrieben, was die sozialen Medien generieren, so Wangermann. Diese Ansicht konnten wir beim Redaktionsbesuch bei WELT gleich mal auf die Probe stellen. Unter anderem erläuterte uns dabei Welt-Redakteurin Katja Mitic, dass sie als Tageszeitung die sozialen Medien auch als Chance begreifen. Facebook sei zwar oftmals auch Ort von Shit-Storms, aber es biete auch die große Möglichkeit Inhalte seiner Leser mit in die Berichterstattung aufzunehmen. Was will er lesen und wie will er es lesen? Gerade die WELT hat, so Mitic, eine aktive Leserschaft auf Facebook. In den Kommentaren können auch die Journalisten Inspiration finden. Die Aufgabe von Journalisten ist damit auch eine Art Mittlerfunktion, da sie in den sozialen Medien Meinungen herausfiltern können, die auch für Politik von Bedeutung sind. Dass echte Kritik und blanker Hass dabei aber sehr nah liegen können, berichteten bei einem Kamingespräch die beiden Journalisten Sebastian Christ und Marc Etzold. Anfeindungen aufgrund seiner Berichterstattung hat dabei vor allem Sebastian Christ erlebt, der mit seinen persönlichen Geschichten zu Shitstorm auf Journalisten auch umrissen hat, welche Formen der Hass im Netz haben kann. Dennoch auch die beiden Journalisten begreifen, die veränderte Kommunikation als Chance, da man schnell an Informationen gelangt. Die Schnelllebigkeit der sozialen Medien kann aber auch im Beruf unter Druck setzen. Marc Etzold hatte deshalb die Fastenzeit genutzt, um auf soziale Netzwerke zu verzichten. Auch diese beiden Meinungen zeigen, dass die digitale Kommunikation mittlerweile schon so stark in unserem Leben involviert ist, wie das Stück Kuchen zum Mittagskaffee (auf das man dann in der Fastenzeit gerne mal verzichtet). 

Game Changer Soziale Medien? 

 

Die digitale Kommunikation nimmt gerade in Politik und bei Parteien eine ganz besondere Stellung ein. War es vor einigen Jahren noch die direkte Kommunikation das Mittel, um den Bürger/ den Wähler zu erreichen, sind mittlerweile die sozialen Medien eine wichtige Komponente in der Kommunikation zwischen Bürger und Politik/Parteien geworden. Dies haben uns im Gespräch auch Dr. Stefan Hennewig (CDU), Ronja Kemmer MdB und Patricia Romanowsky (CDU/CSU-Bundestagsfraktion) bestätigt. Für die CDU, so berichtete der CDU-Wahlkampfleiter Dr. Hennewig, haben die sozialen Netzwerke mehrere wichtige Ansatzpunkte. Einerseits sind sie zum führenden Informations-Medium geworden. Rund 75 Prozent der Zeitungsartikel werden mittlerweile online gelesen. Die meisten Artikel werden dabei über die sozialen Netzwerke verbreitet und somit auch für den User vorselektiert. Dies kann zu einer Filterblase führen, in die man von außen nur schwer gelangen kann. Gerade hier besteht die Gefahr, dass Fake News ihren Weg zum Wähler finden, so Hennewig. Und so hat sich auch die digitale Kommunikation in Wahlkampfzeiten verändert, da die Partei nun verstärkt auch falsche Meinungen und Behauptungen entkräften müssen. Nicht zu selten verbreiten sich falsche Informationen rasant. Ganz nach dem „Streisand-Effekt“: Wenn einmal drüber gesprochen wird, ist es schwer eine Information wieder „einzufangen“. Dann kann mitunter auch Krisenmanagement in der digitalen Kommunikation gefragt sein. Wie die Politik dabei am besten reagieren kann, erläuterte uns Patricia Romanowsky von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Das Wichtigste dabei ist, dass man sich als Fraktion vergegenwärtigt, dass sich Online Krisen langsam aufbauen und dabei oftmals auch anders aussehen. Die sozialen Medien und dabei vor allem Twitter dienen deshalb nicht selten auch als „Frühwarnsystem“. Hier könne man bereits abends identifizieren, welche Themen die Parteien am nächsten Tag beschäftigen werden. Das bedeutet aber auch, dass sich der Druck auf die Parteien und Fraktionen erhöht hat schnell zu reagieren, erläuterte dabei Romanowsky. Hinzu kommt, dass es mittlerweile auch Gruppen gibt, die aktiv negativen Traffic auf den Seiten der CDU/CSU-Fraktion erzeugen und sich in sogenannten „War rooms“ (Re conquista Germanica als AfD-Unterstützer) vernetzen und eine aktive Facebook- und Twitter-Community bilden. Die Hauptaufgabe im Managen von Communities ist es deshalb auch Shit-Storms von echter und angemessener Kritik zu trennen. Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gilt dabei das Motto „Weich zu den Menschen. Klar in der Sache!“. Dass sich Parteien und Fraktionen aktiv im Internet darstellen, ist also mittlerweile zur Notwendigkeit geworden. Die Kommunikation ist dabei schneller, aber oft auch rascher geworden. Aber kann man sich als Teil der Politik überhaupt noch aus dieser digitalen Kommunikation entziehen? Nein, sagt die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer (CDU). Sie sagt, dass Politiker darauf angewiesen sind, Inhalte digital zu transportieren, um alle Gruppen zur erreichen. Wer auf digitale Kommunikation verzichte sei nicht mehr zeitgemäß. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass Kemmer ihren Besuch im Seminar dann auch in ihrer Insta-Story platzierte. 

 

Digitale Kommunikation: Chance oder Gefahr für die Demokratie?

 

Wie verändert digitale Kommunikation unsere Gesellschaft? – Das war die leitende Frage unseres Seminars. Im Austausch mit Parteien, Politikern und Medien haben wir viel über den unterschiedlichen Einsatz der digitalen Kommunikation kennengelernt. Wie die digitale Kommunikation aber wirklich unsere Gesellschaft verändert, darauf haben wir nicht ganz eine Antwort gefunden. Wahrscheinlich gibt es darauf auch keine umfassende und allgültige Antwort. Jeder der Teil der Gesellschaft ist, muss seinen eigenen Umgang finden, die digitale Kommunikation in sein Leben zu integrieren ohne dabei in der „richtigen“ Welt verloren zu gehen. Es gibt die Risiken sich in der Online-Welt zu verlieren, doch schlussendlich ist die digitale Kommunikation bereits fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Gerade deshalb sollte man also einen Umgang lernen, von dem unsere Gesellschaft profitieren kann. Wie auch die Projekte der Open Knowledge Foundation Deutschland zeigen. Michael Peters von der Open Knowldege Fondation, erläuterte uns dabei die Chancen digitaler Kommunikation für die Demokratie. Durch fragdenstaat.de oder offenerhaushalt.de will die Organisation transparentes Regierungs- und Verwaltungshandeln fördern. Durch die Abrufbarkeit von Regierungsentscheidungen, so Peters, wird eine neue Öffentlichkeit hergestellt, die auch die Bürger wieder näher an die Politik bringen könnte.

 

Fazit: Lernen, das Handy auch mal auszuschalten

 

Bei allen Chancen und Risiken ist am Ende des Seminars allen Teilnehmern eins bewusst geworden: Digitale Kommunikation ist wichtig, doch es schadet auch nicht, dass Handy mal wegzulegen und Kommunikation ohne Smartphone zu betreiben. Und dazu war während des Seminars auch immer genügend Zeit.

Da es sich bei dem Seminar um ein Initiativseminar handelt sei an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich Sophie Brandt und Nicole Schneider, sowie dem restlichem Orga-Team aus Freiburg gedankt für die super Durchführung des Seminars.


Autorin: Vanessa Verena Wahlig ist seit 2015 Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung. Sie studiert an der Justus-Liebig- Universität Gießen Demokratie und Governance im Master.