„Weimar Bonn Berlin … Deutschland. Das nächste Kapitel?“ – Heidelberger Adenauer-Tage 2019

Seit einigen Tagen läuft die Anmeldung für die diesjährigen Heidelberger Adenauer-Tage. Wir laden Euch auch dieses Jahr wieder herzlich ein, gemeinsam mit 150 Stipendiaten und Altstipendiaten¹ vom 03.-06.10.2019 neben verschiedenen Möglichkeiten des geselligen Zusammenkommens auch gemeinsam in verschiedenen Vorträgen und Diskussionen neue politische und historische Einblicke in der Frage zu gewinnen, wie es mit Deutschlands Demokratie weitergehen kann. Die Heidelberger Adenauer-Tage sind eine wunderbare Möglichkeit, sich zu brandaktuellen Themen auszutauschen und Neues zu erfahren, sich mit Konstipendiaten zu vernetzen und die wunderschöne Altstadt Heidelbergs kennenzulernen. Eines der Highlights wird in diesem Jahr der Eröffnungsvortrag von unserem Konstipendiaten und Bundespräsident a.D. Christian Wulff am Tag der Deutschen Einheit sein.

 

Zur Einstimmung auf die politischen Inhalte haben wir euch einen Auszug aus unserer Hinführung zum Thema abgedruckt:

 

Die Demokratie hat in Deutschland Tradition. Genau dies haben wir zum Anlass genommen, als wir unser diesjähriges Tagungsmotto gewählt haben. Dieses Jahr feiern die Verabschiedung der Verfassung von Weimar (100 Jahre), die Verkündung des Grundgesetzes in Bonn (70 Jahre) sowie die Friedliche Revolution und damit der Ursprung des wiedervereinigten Deutschlands (30 Jahre) Jubiläum.

 

Mit dem Ende des ersten Weltkriegs in Europa sollte eine neue Zeit anbrechen. Die Revolution, die im November 1918 mit dem Kieler Matrosenaufstand begann und die schließlich das Ende der Monarchie in Deutschland herbeiführte, läutete die Wandlung des deutschen Staates zu einer parlamentarischen Demokratie ein. Im Februar 1919 trat die Nationalversammlung im thüringischen Weimar zusammen und erschuf die erste demokratische Verfassung, die die Macht weder einem Kaiser noch einer bestimmten Klasse zusprach, sondern dem Volk. Die Weimarer Reichsverfassung installierte ein System von Grundrechten, wie etwa der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, führte das Frauenwahlrecht ein und beendete die monarchistische Herrschaftsform. Die Weimarer Republik wurde als res publica, die Sache, die alle angeht, gegründet. Grundlegende Werte der Weimarer Reichsverfassung gelten uns noch heute als selbstverständlich: Demokratie, ein moderner Sozialstaat und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Aus verfassungsrechtlicher Sicht ist man sich heute einig, dass der Aufstieg und die Machtübernahme der Nationalsozialisten unter anderem auch auf entscheidende Schwächen der Weimarer Verfassung zurückzuführen sind. Dennoch ist die Weimarer Reichsverfassung kein dunkles und abschreckendes Beispiel eines Versuchs einer demokratischen Gesellschaft, sondern vielmehr ein wichtiger Baustein der parlamentarischen und demokratischen Entwicklung Deutschlands.

 

Die Verfasser des Grundgesetzes hatten als Vorlage für ihren Entwurf einer „Verfassung für Deutschland“ 30 Jahre später nicht ohne Grund die Weimarer Reichsverfassung als Vorbild gewählt: Den Mitgliedern des Parlamentarischen Rates, die zu großen Teilen selbst Volksvertreter oder Repräsentanten der Weimarer Verfassung waren, standen der Untergang Weimars und die nationalsozialistische Schreckensherrschaft noch lebendig vor Augen. Sie formulierten daher das Grundgesetz auch ganz bewusst in Abkehr von den Schwächen der Weimarer Reichsverfassung. So wies man in dem als „Mahnung zur Wiederherstellung der deutschen Einheit“ angedachten Grundgesetz den Grundrechten besondere Bedeutung zu. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde, grundlegende Verfassungsprinzipien und der Föderalismus wurden durch Art. 79 Abs. 3 des Grundgesetzes unter die „Ewigkeitsgarantie“ gestellt. Doch nicht alle Deutschen konnten mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 die Wiederaufnahme demokratischer Traditionen feiern. Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik nur wenige Monate später schien die Teilung Deutschlands zementiert und nach und nach unüberwindlich zu sein. Die Trennung in Ost und West brachte vielen Deutschen erneut keine demokratischen Strukturen, sondern Jahrzehnte eines Unrechtsregimes der SED. Nicht nur die großen Ereignisse, wie etwa der Volksaufstand am 17. Juni 1953 oder der Bau der Mauer am 13. August 1961 bleiben in Erinnerung, sondern auch die vielen Schicksale der Bürger in der DDR mahnen bis heute, dass Demokratie nicht erreicht ist, nur weil der Name es verheißt.

 

Es ist wohl ein Glücksfall der Geschichte, dass es im Herbst 1989 durch die Friedliche Revolution in der DDR zu einer einmaligen Chance in der deutschen Geschichte kam, die schließlich in der Wiedervereinigung Deutschlands mündete. Freiheit und Einheit waren die Losungen der Friedlichen Revolution und tragen bis heute das Grundgerüst der demokratischen Gesellschaft.

 

Wir wollen im Gedenken an diese bedeutenden historischen Meilensteine deutscher Demokratieentwicklung aber auch den Blick nach vorne wagen, denn die demokratische Idee ist nach wie vor kein Selbstläufer. Immer wieder erleben wir einerseits Angriffe auf lange sicher geglaubte demokratische Verhaltensweisen und Selbstverständlichkeiten, wie zum Beispiel freie und geheime Wahlen, die Gewaltenteilung oder die freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit.

 

Die Demokratie hat in Deutschland Tradition. Genau dies nehmen wir als Ausgangspunkt, wenn wir uns die Frage stellen, wie es nun weitergehen kann. Hierbei werden nicht nur Fragen der deutschen Demokratie relevant, sondern auch nach einer europäischen und internationalen Integration. Wie das genau aussehen kann, wollen wir mit verschiedenen Wissenschaftlern und Politikern im Verlauf der Tagung diskutieren.

 

 

Für weitere Informationen zum genauen Ablauf, zur Anmeldung oder für Impressionen vom vergangenen Jahr schaut auf unserer Homepage: www.adenauer-tage.de, auf unserer Facebookseite oder bei Instagram (@adenauertage) vorbei.

 

Wir freuen uns sehr, Euch im Oktober in Heidelberg begrüßen zu dürfen!

 

Euer Organisationsteam

 

 

 

¹ Zu Gunsten der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.


Autor: Maximilian Böck, KAS-Stipendiat aus Heidelberg.